Es war schwer, diesen Fußballer nicht zu lieben. Zumindest, wenn man nicht sein Trainer war.
Eine der buntesten Liga-Legenden

Heute vor zwei Jahren starb Hans „Buffy“ Ettmayer, eine der buntesten Figuren der Bundesliga-Geschichte - und ein Typ, wie er im heutigen Profifußball-Betrieb nicht mehr denkbar wäre.
„Ich habe keinen Revue-Körper, aber ich kann Fußball spielen“
Der 30-malige österreichische Nationalspieler - ehemaliger Kapitän des VfB Stuttgart und Europapokalsieger mit dem Hamburger SV - war bekannt für sein Übergewicht und seinen selbstironischen Umgang damit.
Der gebürtige Wiener war 1,72 Meter klein, wog aber schon zu aktiven Zeiten rund 85 Kilo. „Die Wuchtbrumme aus Ottakring“ aß am liebsten „Steaks bedeckt mit soviel Sauce Béarnaise, dass kein Fleisch mehr zu entdecken war“, notierte das Magazin 11 Freunde mit merklicher Bewunderung für Ettmayers „freche Unvernunft“.
Den Spitznamen „Buffy“ bekam Ettmayer bei Wacker Innsbruck, wo der Mittelfeldspieler seinen Durchbruch gefeiert hatte. In der Heimat von Trainer Leopold Stastny aus der damaligen Tschechoslowakei bedeutet „Buffy“ so viel wie „Dickerchen“.
Ettmayer haderte anfangs noch mit seinem zwiespältigen Ruf, später machte er eine Marke daraus: „Ich habe keinen Revue-Körper, aber ich kann Fußball spielen. Ich kenne viele Spieler, die haben einen Revue-Körper und können’s nicht!“, sagte er einmal.
Klublegende in Innsbruck und Stuttgart
In der Tat hatte Ettmayer besondere Talente, die seine körperlichen Nachteile ausglichen: Er war technisch begabt, hatte zahlreiche Tricks und enorme Schusskraft im Repertoire.
In Innsbruck stieg der junge Ettmayer zum Publikumsliebling und zur Klublegende auf, indem er Anfang der Siebziger maßgeblich an den ersten großen Titeln des Vereins beteiligt war: Er war Siegtorschütze, als Wacker 1970 den Pokal gewann, 1971 folgte der Meistertitel.
Im selben Jahr wechselte Ettmayer zum VfB Stuttgart, wo er in 97 Bundesliga-Spielen 34 Tore schoss - und sich im WM-Jahr 1974 gegen Eintracht Frankfurt mit dem 10.000 Tor der Bundesliga in den Geschichtsbüchern verewigte.

Ausklang im Amateurbereich
In seiner letzten Saison für den VfB 1974/75 stieg Ettmayer zum Kapitän auf, erlebte aber dann einen sportlichen Abschwung: Seine Torquote ließ nach, er wurde nicht mehr regelmäßig eingesetzt, der damalige Coach Albert Sing rieb sich an ihm.
Zur Legende wurde folgender Dialog der beiden: „Buffy, du spielst nicht, du bist zu dick“ - „Ich war schon immer so.“ - „Es gibt Bilder von dir, da warst du dünner“ - „Die sind wahrscheinlich mit einer Schmalfilmkamera gemacht.“
Am Ende der Saison stieg der VfB ab, Ettmayer wechselte zum HSV, wo er zwar die formell größten Erfolge seiner Karriere feierte (DFB-Pokal 1976, Europapokal der Pokalsieger 1977), aber unter Coach Kuno Klötzer nur unregelmäßig zum Einsatz kam.
In seinen letzten Karriere-Jahren spielte Ettmayer für den FC Lugano in der Schweiz, den Freiburger FC in der 2. Bundesliga und die Amateurklubs 1. Göppinger SV und SpVgg Rommelshausen, wo er jeweils Spielertrainer war.
Zweite Berufung als Taschenbuch-Vertreter
Nach dem Abschied aus Rommelshausen hörte Ettmayer sowohl als Spieler als auch als Trainer ganz auf, konzentrierte sich auf den in Göppingen über einen Sponsor gefundenen Job als Vertreter für Taschenbücher, der seinem rhetorischen Talent entgegenkam.
Ettmayer - gern gesehen bei Traditionskicks und anderen Showevents - lebte mit Frau Susanna in Notzingen bei Stuttgart, noch immer dem leiblichen Genuss zugeneigt. „Auch wenn er bei der Traditionself des VfB Stuttgart längst der Älteste war, kam er nicht unverrichteter Dinge an der italienischen Eisdiele unten im Ort vorbei“, schrieb 11 Freunde nach einem Interview mit Ettmayer 2011: „An guten Tagen, sagte er, haue er sich schon mal zehn Kugeln rein.“