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Wut nach Chaos-Ende bei Biathlon-Staffel

Sturz entscheidet Biathlon-Staffel

Bei der Damen-Staffel beim Biathlon-Weltcup in Antholz kommt es kurz vor dem Ziel zu einem unglücklichen Sturz. Schweden profitiert und siegt. Deutschland läuft ersatzgeschwächt hinterher.
Hanna Öberg und Ingrid Landmark Tandrevol kollidierten
Hanna Öberg und Ingrid Landmark Tandrevol kollidierten
© Screenshot ZDF
Bei der Damen-Staffel beim Biathlon-Weltcup in Antholz kommt es kurz vor dem Ziel zu einem unglücklichen Sturz. Schweden profitiert und siegt. Deutschland läuft ersatzgeschwächt hinterher.

Unglücklicher Zwischenfall bei der Biathlon-Staffel in Antholz. Kurz vor einem möglichen Zielsprint verhakten sich die Schwedin Hanna Öberg und die Norwegerin Ingrid Landmark Tandrevold, die Norwegerin geriet ins Straucheln.

Das Rennen war so entschieden: Die Schwedinnen (0 Strafrunden+6 Nachlader) siegten vor Norwegen (0+7/+13,4 Sekunden) und den favorisierten Französinnen (0+8/+23,6).

Wer schuld an dem Rennunfall war, erschien auf den ersten Blick kaum zu klären. Beide Athletinnen ließen sich auf der vorletzten Geraden kaum Platz. Dabei geriet zunächst der Stock der Norwegerin zwischen die Beine der Schwedin, die dadurch leicht aus der Balance geriet und anschließend ihre Kontrahentin mit dem eigenen Stock zu Fall brachte.

„Ich glaube, ich kam auf der linken Seite und sie kam ein bisschen in meine Richtung. Dann haben wir uns dort eingehakt. Ich hätte mir wirklich einen fairen Kampf gewünscht. Ich bin natürlich sehr glücklich, dass wir gewonnen haben, aber ich hätte es gerne anders gehabt“, sagte Öberg zu schwedischen Fernsehsender SVT.

Biathlon: Tandrevold nach Sturz wütend

Im Ziel wirkten beide Athletinnen äußerst unglücklich. Die siegreiche Öberg wollte sich über ihren Sieg nicht wirklich freuen und sich viel lieber gleich bei ihrer Kontrahentin entschuldigen. Diese hatte daran aber zunächst wenig Interesse und fuhr frustriert an der Schwedin vorbei.

Doch Öberg ließ nicht locker, fuhr der Norwegerin hinterher und versuchte es erneut mit einer Erklärung, die Tandrevol zuließ. Beide Biathletinnen nahmen sich leicht in den Arm, zumindest zwischen den beiden schien auf den ersten Blick also alles geklärt.

Doch wenig später wurde dann doch deutlich, dass die Norwegerin alles andere als glücklich mit der Situation war. „Es kommt nicht oft vor, dass ich wirklich wütend werde. In diesem Fall war ich es“, sagte Tandrevold bei NRK über den Sturz.

Von ihrer Kontrahentin gab es immerhin auch in den Medien noch eine weitere Entschuldigung. „Ich fühle sehr mit Ingrid. Ich wollte ein faires Duell. Es war nicht die Absicht, sie zu Fall zu bringen. Es tut mir wirklich leid”, sagte Öberg nach dem Rennen.

Für große Aufregung sorgte der Sturz auch in den nationalen Medien. So titelte unter anderem die schwedische Zeitung Aftonbladet: „Chaos am Ende: Schweden gewinnt nach einem großen Drama in der letzten Runde.“ Chaotisch war die Schlussphase dieses Staffelrennens auf jeden Fall.

Deutsche Staffel läuft ersatzgeschwächt hinterher

Mit dem Kampf um den Sieg hatte die deutsche Staffel ohne Franziska Preuß im letzten Rennen vor der Weltmeisterschaft erwartungsgemäß dagegen nichts zu tun. Das im Durchschnitt nicht einmal 23 Jahre alte Quartett mit Marlene Fichtner, Sophia Schneider, Julia Kink und Johanna Puff kam in der Staffel von Antholz auf Rang acht. Nach 4x6 Kilometern und zehn Nachladern fehlten bei Regen fast drei Minuten aufs Treppchen, damit gab der Deutsche Skiverband (DSV) nach zuletzt zwei Siegen die Führung im Staffel-Weltcup wieder ab.

Doch dies kam nach der Absagenflut im Vorfeld keineswegs überraschend. Preuß hatte sich ausgelaugt von acht Rennen in 17 Tagen eine frühere Heimreise erbeten. „Ich werde mir eine Extra-Pause nehmen. Der Januar war anstrengend - auch vom Kopf her“, hatte die Gesamtweltcupführende bereits am Samstag gesagt: „Ich werde den Mädels von draußen die Daumen drücken.“ Am Sonntagmorgen musste dann auch noch die als Schlussläuferin eingeplante Selina Grotian wegen Halsschmerzen passen.

Da Vanessa Voigt, deren WM-Start auf der Kippe steht, und Julia Tannheimer ohnehin krankheitsbedingt fehlten, blieb aus der Siegerstaffel von Hochfilzen keine einzige Sportlerin übrig. Von der Mannschaft aus Ruhpolding war nur noch Schneider dabei, da auch Stefanie Scherer erschöpft abreiste. „Viele sind wirklich müde. Das ist nicht ganz einfach mit der dritten Woche im Januar“, sagte Sportdirektor Felix Bitterling, „das zehrt“.

Fichtner leistete sich nur einen Nachlader, verlor als 15. wegen Problemen in der Loipe aber weit mehr als eine Minute. Schneider machte trotz zwei Nachladern sechs Plätze gut, Kink blieb an ihrem 21. Geburtstag mit fünf Extraschüssen auf Position neun. Puff machte mit zwei weiteren Nachladern noch einen Rang gut.

Nach einer kurzen Pause trifft sich ein Großteil der Mannschaft zum abschließenden Vorbereitungslehrgang erneut in Antholz, ehe am 12. Februar in Lenzerheide die ersten WM-Medaillen vergeben werden.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)