Temperaturen von zehn Grad unter Null, machen den Biathlon-Weltcup zu einer ziemlich unangenehmen Angelegenheit. Der auf Aerodynamik ausgelegte Rennanzug ist dabei keine große Hilfe. Um warme Muskeln und vor allem warme Hände für das Schießen zu bekommen, müssen die Sportler kreativ sein.
Biathlon im Kältekampf: Athleten enthüllen Tricks gegen Minusgrade
Die Kälte-Tricks der DSV-Biathleten
„Man findet seine Tricks“, erklärte Philipp Nawarath bei der dpa. Der Bayer verrät, dass er vor dem Start gerne mal ein zweites paar Handschuhe überstreift und hat auch gegen kalte Füße ein Geheimrezept. „Auch die Schuhe kann man vor den Rennen schon mal vorwärmen, das hilft, wenn man gleich in einen warmen Schuh reingeht“, verriet der DSV-Skijäger.
Hettich-Walz über Kälte-Tüftelei: „Man probiert recht viel aus“
Gewissermaßen sind die Athleten alle gefragt, selbst kreativ zu werden und das passende Set-Up für sich zu finden. „Wir probieren recht viel aus, was Handschuhe und lange Unterwäsche betrifft. Wir sind da mittlerweile mit Equipment recht gut aufgestellt“, erläuterte Janina Hettich-Walz. Schließlich sei es „eine Herausforderung“, wenn es über längere Zeit kalt bleibt. Insbesondere gilt es dabei, auf die Finger zu achten. Fehlt das Gefühl im Abzugsfinger, kann das Treffen der Scheibe schnell zur Herkules-Aufgabe werden.
Die Kleidungswahl ist für die Athleten aber gewissermaßen auch eine Gradwanderung. In der Hitze des Gefechts gilt es schließlich auch, nicht zu viel mit sich herumzutragen. Demnach setzt Nawrath lediglich auf eine zweite dünne Schicht und hat selbst bei Minusgraden nicht wesentlich mehr an als ein Leichtathlet im Sommer. „Wenn man in einen Wettkampf reingeht, halbwegs vernünftig warm ist und auch im Kopf emotional aufgeheizt ist, dann passt das ganz gut“, erklärte der 30-Jährige. Dies sei bei einer Wettkampfdauer von 30 Minuten „durchaus machbar“.
Kälte-Horror durchzieht Wintersport-Auftakt: Minus 15 Grad erwartet
Bestätigen sich die Wetterprognosen, könnte die Temperatur in Östersund bis auf Minus 15 Grad sinken. Laut Hettich-Walz kann ein „Windstopper“ dabei helfen, den tiefen Temperaturen zu trotzen. Bei derart frostigen Bedingungen nähert man sich aber auch schon der Minus-20-Grad-Grenze, bei der laut IBU-Regularien keine Wettkämpfe mehr möglich sind. Wie gefährlich eine derartige Kälte ist, zeigte sich bereits beim Langlauf-Weltcup in Ruka, bei dem die Athleten bei Minus 19 Grad über eingefrorene Augen und Genitalien klagten. Auch Langläufer Calle Halfvarsson klagte nach dem Rennen über sein eingefrorenes bestes Stück.