Die Washington Wizards befinden sich seit Jahren in einer verzwickten Situation.
NBA: Tabula rasa bei den Washington Wizards - was steckt hinter dem Neuanfang?
Die 180-Grad-Wende eines NBA-Teams
Das NBA-Team aus der amerikanischen Hauptstadt war oft nicht gut genug, um sich für die Playoffs zu qualifizieren, aber auch nicht schlecht genug, um einen Top-Draft-Pick zu erhalten.
Dieser anhaltende Zustand der Mittelmäßigkeit ist für jede NBA-Franchise frustrierend, da weder entscheidende Fortschritte erzielt noch die Chancen auf vielversprechende junge Spieler erhöht werden können.
Nach zwei verpassten Postseason-Teilnahmen hintereinander und unter der neuen Führung von Michael Winger setzen die Wizards auf einen Rebuild, um diesem Teufelskreis zu entkommen.
Washington Wizards: Neustart unter neuer Führung
Während sich der langjährige Besitzer Ted Leonsis unter Wingers Vorgängern noch vehement gegen einen Neuanfang gesträubt hatte, wurde dieser Prozess nun in den vergangenen Tagen mit einigen aufsehenerregenden Trades eingeleitet.
Zunächst tauschten die Wizards den dreimaligen All-Star Bradley Beal zu den Phoenix Suns und erhielten im Gegenzug Chris Paul und Landry Shamet sowie fünf Zweitrundenpicks in den Jahren 2024, 2025, 2026, 2027 und 2030.
Dazu erwarben sie die Rechte, in den Jahren 2024, 2026, 2028 und 2030 ihren Erstrundenpick mit den Suns zu tauschen. Schließlich wandert auch eine Menge Geld (etwa 3,5 Millionen Dollar) von Phoenix nach Washington.
Am Mittwoch schlossen sich dann Danilo Gallinari, Mike Musciala und Tyus Jones in einem Drei-Team-Trade den Wizards an, während Kristaps Porzingis zu den Boston Celtics wechselte.
Zu guter Letzt tradete Washington Paul zu den Golden State Warriors. Für den 38-Jährigen erhielt die Franchise Jordan Poole zusammen mit zwei weiteren zukünftigen Picks.
Trades mit Starspielern: Beale und Porzingis sind weg
Dass Paul keine Zukunft in der Hauptstadt haben würde, war von Beginn an klar. Schließlich gelingt ein Rebuild in der Regel am besten mit möglichst jungen Spielern.
Zusammengefasst haben die Wizards in den letzten Tagen nichts weniger als ihre beiden Aushängeschilder, Beal und Porzingis, abgegeben. In ihren neuen Teams können die beiden einen großen Beitrag im Kampf um den Titel leisten, während Washington durch den neu gewonnen finanziellen Spielraum frischen Wind in den eigenen Kader bringen kann.
Schon die Namen der Neuzugänge der Wizards lassen erkennen, dass die Franchise mit ihrer Reset-Strategie nicht unbedingt darauf abzielt, sofort wettbewerbsfähig zu sein.
Die neue Achse der Wizards
Im Detail wurden mit Tyus Jones und Jordan Poole zwei gute Spieler gewonnen, die mit ihren bisherigen Leistungen zwar keine Bäume ausreißen konnten, aber wahrscheinlich die neuen Star- und Führungsspieler der Wizards sein werden.
Poole erzielte für die Warriors immerhin durchschnittlich 20 Punkte pro Match. Obwohl der Shooting Guard in den Playoffs Schwierigkeiten hatte, wird der 24-Jährige mit seinem überdurchschnittlichen Talent wahrscheinlich die Hauptoption für die Wizards sein.
Jones wiederum war in Memphis ein sehr guter Backup für Ja Morant und bringt vielseitige Fähigkeiten mit. Er ist ein guter Passgeber, der bei Bedarf auch Würfe nimmt und trifft. Aber er ist eben auch ein Point Guard, der in einem guten Team nur Ersatz ist. Dennoch gilt er als der prädestinierte Erbe für den an die Phoenix Suns abgegebenen Beal.
Jones bringt zudem Postseason-Erfahrung mit zu den Wizards: Er hat es insgesamt viermal in die Playoffs geschafft (einmal mit den Minnesota Timberwolves und dreimal mit den Grizzlies). Da er höchstwahrscheinlich von jungen Spielern umgeben sein wird, wird der 27-Jährige mehr Verantwortung übernehmen müssen.
„Hohes Risiko und hoher Ertrag“
Apropos junge Spieler: Die Wizards tradeten beim Draft nach oben und übernahmen Bilal Coulibaly als siebten Pick von den Indiana Pacers. Der 18-Jährige ist aller Voraussicht nach noch nicht bereit, sofort einen Beitrag zu leisten, aber ein hochinteressanter Kandidat mit unglaublichem Potenzial.
Jedenfalls zeichnet er sich durch seine Kreativität in der Offensive aus und besitzt sowohl physisch als auch technisch alle Voraussetzungen, um in der NBA erfolgreich zu sein. Nicht umsonst bezeichnen Draft-Experten den Franzosen, der gemeinsam mit Victor Wembanyama bei Metropolitans 92 spielte, als „Spieler mit hohem Risiko und hohem Ertrag“.
Um langfristigen Erfolg zu haben. waren die Wizards bereit, das Risiko einer Verjüngung und den Verlust von Leistungsträgern einzugehen. Dieser Schritt wird jedoch auch eine große Herausforderung für die Franchise, insbesondere in der kommenden Saison.
Der Neuaufbau eines Teams ist ein schrittweiser Prozess, der eine langfristige Strategie erfordert. Im Rahmen dieser Strategie investieren die Wizards in die Entwicklung junger Spieler wie Coulibaly, die Zeit brauchen, um ihr Potenzial entfalten zu können.
Mit Geduld zum Erfolg?
In den kommenden Jahren könnten durch hohe Draft-Picks weitere vielversprechende Talente gewonnen werden. Gleichzeitig müssen Trades natürlich auf das Teamkonzept und die Spielphilosophie abgestimmt sein, wobei das Trainerteam um Wes Unseld Jr. eine entscheidende Rolle spielt, um die Spieler in einer gemeinsamen Vision zu vereinen.
So oder so müssen die Fans und das Umfeld Geduld aufbringen und dem auf links gedrehten Team die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln und zu wachsen.
Die Vergangenheit hat beweisen, dass es eine beträchtliche Zeit dauern kann, bis erste Erfolge sichtbar werden. In den nächsten Jahren sollten die Wizards-Fans also eher keine Playoff-Teilnahme von ihrem Team erwarten.