Erneute Aufregung um einen Nicht-Handschlag bei einem großen Tennis-Turnier.
Wimbledon: Wirbel nach Azarenka-Geste - klärende Ansage gefordert
Azarenka-Wirbel: Ansage gefordert
Nach dem Wimbledon-Achtelfinale, bei dem die Ukrainerin Elina Switolina Victoria Azarenka aus Belarus mit 2:6, 6:4, 7:6 (11:9) niederrang, wurde Azarenka ausgebuht und sorgte für weiteren Wirbel, als sie den Platz mit einer Geste verließ, bei der sie beide Handgelenke zu einem Kreuz verschränkte.
Die Geste erinnerte an die von US-Kugelstoßerin Raven Saunders, die bei der Olympia-Siegerehrung 2021 mit gekreuzten Armen während der Siegerehrung gegen Unterdrückung demonstrierte.
Was genau Azarenka sagen wollte mit ihrer Geste - die auch Assoziationen mit Handschellen und Verhaftungen weckte -, wurde dagegen durch ihre Äußerungen nach dem Match nur noch rätselhafter.
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Wimbledon: Wirbel um Azarenka nach Aus
Was in Wimbledon wohl nicht alle Fans auf dem Court wussten: Die beiden Tennis-Profis hatten sich angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bereits im Vorfeld darauf verständigt, nach dem Match auf ein Händeschütteln zu verzichten. Switolina hatte auch schon mehrfach deutlich gemacht, dass sie russischen und belarussischen Kolleginnen aktuell nicht die Hand geben will.
Azarenka akzeptierte das - anders als die bei den French Open stark in den Fokus gerückte Landsfrau Aryna Sabalenka, die in Paris für Verstimmung sorgte, als sie Switolina demonstrativ die Hand hinhielt, obwohl auch sie um Switolinas Haltung wusste.
In Paris war Switolina ausgebuht worden (wie zuvor auch Marta Kostjuk), nun fokussierte sich der Ärger auf Azarenka. Deren Reaktion darauf kam anscheinend spontan zustande, dem englischen Journalisten James Gray sagte sie hinterher: „Ich habe eigentlich keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung. Ich werde nicht einmal in der Lage sein, zu wiederholen, was ich getan habe.“
In der Pressekonferenz ergänzte sie: „Macht es nicht größer als es ist. Es verändert kein Menschenleben, ob jemand dem anderen am Netz die Hand gibt, oder nicht. Ich kenne Elina schon seit langer Zeit und hatte immer ein gutes Verhältnis zu ihr. Die Umstände sind, wie sie sind.“
Switolina fordert Ansage der Turnier-Organisatoren
Switolina nahm von der Aufregung zunächst wenig Notiz: „Das ist der zweitglücklichste Moment meines Lebens nach der Geburt meiner Tochter“, sagte sie über den knappen Sieg.
Bei der PK wandte sich Switolina dann an die Turnier-Organisatoren und die Verbände und forderte eine Reaktion, um weitere Irritationen dieser Art zu vermeiden: „Ich denke, sie müssen mit einem Statement an die Öffentlichkeit gehen, dass es keine Handshakes zwischen russischen, belarussischen und ukrainischen Spielern geben wird:
Sie habe „schon mehrmals gesagt, dass ich, solange russische Truppen nicht die Ukraine verlassen und wir uns unsere Territorien zurückgeholt haben, keine Handshakes machen werde. Das ist ein klares Statement von mir.“ Anscheinend müssten aber auch andere Instanzen sich einschalten: „Vielleicht ist es einigen Leuten nicht klar. Einige Leute scheinen nicht zu wissen, was los ist“, sagte Switolina. Ein Statement der Turnierleitung wäre daher „der richtige Weg“.
Swiatek wehrt zwei Matchbälle ab
Die Ukrainerin trifft nun auf Iga Swiatek: Die Überfliegerin aus Polen zog erst nach einem Kraftakt erstmals ins Viertelfinale von Wimbledon ein.
Die Weltranglistenerste gewann ihr Achtelfinale gegen die an Nummer 14 gesetzte Olympiasiegerin Belinda Bencic mit 6:7 (4:7), 7:6 (7:2), 6:3 und bewies dabei Nervenstärke: Beim Stand von 5:6 im zweiten Satz wehrte sie zwei Matchbälle der Schweizerin ab.
Die viermalige Grand-Slam-Siegerin Swiatek gewann den folgenden Tiebreak, wenig später gelang ihr im dritten Satz das Break zum 3:1.
Bencic, die weiterhin auf ihren ersten Viertelfinaleinzug in Wimbledon warten muss, wirkte in der Schlussphase des Matchs körperlich angeschlagen und leistete sich einige Fehler.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)