Eigentlich hatte der schwedische Eisschnellläufer Nils van der Poel seine Karriere schon beendet.
Olympia: Wolfgang Pichler hilft Schweden Nils van der Poel zum Olympia-Sieg über 5.000 Meter
Van der Poel gewinnt dank deutscher Trainer-Legende
Zwei Jahre lange konzentrierte er sich auf seine Laufbahn in der Armee. 2020 kehrte er dann aufs Eis zurück und startete ein eindrucksvolles Comeback.
In Peking krönte er sich nun nach einem dramatischen Finish über 5000 Meter zum Olympiasieger. Dabei hat Schwedens ehemaliger Biathlon-Erfolgstrainer Wolfgang Pichler einen entscheidenden Anteil. (Daten: Alle Ergebnisse zu Olympia 2022)
Vorbereitung in Inzell
Der 67-Jährige hatte van der Poel dazu ermutigt, wieder mit dem Sport zu beginnen. Er organisierte Quartiere und Trainingsmöglichkeiten in Inzell.
Die Erfolge gaben ihm Recht. In seiner Comeback-Saison wurde der 25-Jährige direkt Weltmeister über 5000 und 10.000 Meter.
Für die Olympia-Saison trainierte er dann ab Oktober ausschließlich in Inzell. Der Lohn: Bei der Olympia-Qualifikation in Stavanger deklassierte er die Konkurrenz um satte 18 Sekunden.
Klare Taktik
Daher hatte Pichler ein gutes Gefühl für Peking. „Ich habe ihn in den letzten Monaten im Training verfolgt und wusste, dass er in großartiger Form ist“, sagte er dem schwedischen Fernsehsender SVT.
Dabei sah es zunächst nicht gut aus, denn sein Schützling lief nur hinterher. Doch genau das war der Plan, den die beiden im Vorhinein ausgeheckt hatten.
„Vorher gab es viele Diskussionen darüber. Johan Röjler (Trainer, Anm. d. Red.) hat einen perfekten Plan aufgestellt. Er würde es die ersten vier Runden locker angehen lassen und dann schneller werden“, erläuterte Pichler.
Starker Schlussspurt
Deswegen wurde er in seinem heimischen Wohnzimmer auch nicht nervös, als alle anderen aufgrund des Rückstands bereits dachten, dass die Goldmedaille futsch sei.
Der Weltrekordler über 10.000 Meter brauchte für die letzten drei Runden jeweils nur knapp 29 Sekunden. So nahm er seinen Konkurrenten über eine Sekunde pro Runde ab und siegte am Ende mit 47 Hundertstel Vorsprung. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)
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„Ich wusste immer, dass er stark zurückkommen würde. Aber gewinnen ist natürlich eine andere Sache. Ich hätte mich über eine Medaille gefreut, aber Gold ist wie ein Geschenk“, beschreibt die Trainer-Legende.
Vergleich mit Sportgrößen
Somit hat der zweifache Weltmeister die lange Durststrecke seines Landes beendet. Vor 34 Jahren gab es den letzten Olympiasieg eines Schweden im Eisschnelllauf. (Service: Der Medaillenspiegel)
Deswegen vergleicht Pichler ihn nun mit den schwedischen Sportgrößen.
„Er ist wie Björn Borg, Peter Forsberg und Ingemar Stenmark. Schweden hat eine Menge solcher Supersportler und Nils ist einer von ihnen“, meint der Trainer, der mit Magdalena Forsberg selbst eine große Sportlerin trainiert hat.
Das Lob „schmeichelt“ dem Schweden. „Wolfgang bedeutet mir viel. Sowohl bei der sportlichen Investition als auch rein privat. Es macht Spaß und wir haben Erinnerungen, die mich glücklich machen“, lobt er seinen Förderer.
Gedanken an seine Mutter
Bei seinem Triumph wird er aber vor allem seine verstorbene Mama Agneta gedacht haben.
Wenige Tage nach seinen beiden WM-Triumphen 2021 bekam seine Mutter die Schocknachricht: Der Krebs ist zurück. Zwei Wochen später starb sie.
„Ich werde nie wieder derselbe sein. Meine Mutter gab mir alles, was ich brauchte, um auf mich aufzupassen. Aber sie gab mir nicht alles, was ich wollte. Ich wünschte, wir hätten noch weitere 24 Jahre zusammen gehabt“, sagt Nils.
Wie Usain Bolt
Direkt nach seinem Olympiasieg war er auf jeden Fall überwältigt von seinen Gefühlen und sorgte für eine Kuriosität. Er nahm einem Fotografen die Kamera ab und machte munter Fotos.
„Ich habe ein bisschen von allem Möglichen fotografiert. Ich kann garantieren, dass es schrecklich schlechte Bilder geworden sind“, erklärte er der schwedischen Zeitung Aftonbladet und schob mit einem Lachen hinterher, „vielleicht wollte ich nur wie Bolt sein.“
Der jamaikanische Sprinter hatte sich nach seinem Sieg über die 200 Meter bei den Olympischen Spielen in London 2012 ebenfalls als Fotograf versucht.
Am Freitag kann es van der Poel wieder wie Bolt machen. Mit einem Sieg über 10.000 Meter wäre er wie der Jamaikaner über zwei Strecken Olympiasieger. (Daten: Der Zeitplan zu Olympia 2022)