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Sporthilfe: Topathletin Kliem träumt von Stipendium

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Sporthilfe: Topathletin Kliem träumt von Stipendium

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Kliem: „Dafür setze ich mich ein“

Zum zwölften Mal suchen die Sporthilfe und die Deutsche Bank die oder den „Sport-Stipendiat:in des Jahres“. Fünf Top-Athlet:innen, denen die Kombination aus Spitzensport und Studium in besonderer Weise gelingt, stehen öffentlich zur Wahl. Darunter auch Para-Bogenschützin Flora Kliem.
Flora Kliem holt drei Monate nach ihrer Beinamputation den Quotenplatz für die Paralympics.
Flora Kliem holt drei Monate nach ihrer Beinamputation den Quotenplatz für die Paralympics.
© IMAGO/Ralf Kuckuck
Sporthilfe
Zum zwölften Mal suchen die Sporthilfe und die Deutsche Bank die oder den „Sport-Stipendiat:in des Jahres“. Fünf Top-Athlet:innen, denen die Kombination aus Spitzensport und Studium in besonderer Weise gelingt, stehen öffentlich zur Wahl. Darunter auch Para-Bogenschützin Flora Kliem.

Para-Bogenschützin Flora Kliem studiert Lehramt für Grundschule. Im vergangenen August hat sie völlig überraschend einen Quotenplatz für die Paralympics in Paris geholt, drei Monate nach einer Bein-Amputation.

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Derzeit steckt die 26-Jährige mitten in der Vorbereitung für die Paralympics Ende August/Anfang September.

Neben Studium und Sport setzt sie sich als Vorstandsmitglied der Selbsthilfe Köperbehinderter Göttingen e.V. für die Teilhabe aller Menschen am Sport und an der Gesellschaft ein.

Sporthilfe: Frau Kliem, Sie sind gerade von einem Weltranglistenturnier zurückgekommen. Wie ist es denn gelaufen?

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Flora Kliem: Durchwachsen. Die Qualifikation war sehr gut, damit bin ich richtig zufrieden. Dieses gute Gefühl versuche ich mitzunehmen nach Paris. Ich bin tatsächlich schlecht reingestartet, dann habe ich mich aber gut gefangen und hatte am Ende ein sehr gutes Ergebnis als Fünfte nach der Quali. Das eigentliche Finale lief leider nicht so gut, aber ich weiß jetzt, an was ich noch arbeiten muss. Im Doppel habe ich mit meiner Partnerin dann Silber geholt. Also es war von allem etwas dabei.

Sporthilfe: Wie groß ist denn die Vorfreude auf Paris?

Kliem: Riesig. Sie ist sehr, sehr groß. Ich glaube, es ist eines der größten Dinge, die ich in meinem bisherigen Leben mache. Da ist man ja mit einem riesigen Team unterwegs, darauf freue ich mich vor allem.

Sporthilfe: Sie haben im vergangenen August den Quotenplatz für die Paralympics geholt. Das war überragend, wenn man bedenkt, dass im Mai Ihr Bein amputiert wurde. Wie haben Sie das geschafft?

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Kliem: Ja, keine Ahnung. Es war sehr überraschend. Ursprünglich war gar nicht geplant, dass ich so schnell wieder starte. Kurz nach der Amputation hat mir eine Freundin geschrieben, dass ich auf der Startliste stehe. Ich habe mich gewundert und dann beim Verband nachgefragt. Der hatte mich noch vor der Amputation gemeldet und dann gefragt, ja möchtest Du denn starten? Und ich so: Ja. Dann hieß es, okay wir probieren es einfach. Ich musste ja auch das Hilfsmittel wechseln, vom sitzenden Schießen zum stehenden Schießen. Die Qualifikation lief erst mal schlecht, dann hatte ich irgendwie damit schon so ein bisschen abgeschlossen. Aber dann dachte ich, ach komm, Du hast ja nichts zu verlieren. Und dann war ich richtig gut und habe den Quotenplatz geholt.

Sporthilfe: Den einzigen für Deutschland im Bogenschießen. Da war die Freude bestimmt groß.

Kliem: In dem Moment war mir die Tragweite noch nicht bewusst. Ich wollte einfach zeigen, was ich kann. Ich wollte diesen Platz natürlich haben, aber mir war nicht klar, wie krass schwer es war, ihn zu bekommen. Viele Plätze waren bei der Weltmeisterschaft vergeben worden, auf der ich kurz nach der Amputation nicht war. Irgendwann wurde mir bewusst, dass es tatsächlich nur noch ganz wenige Plätze gab und ich gerade einen davon geholt habe.

Sporthilfe: Im Studium haben Sie sich auch nicht groß zurückwerfen lassen. Ist es so, dass man als Sportlerin ähnlich engagiert Leistung bringen will und sich durchkämpft?

Kliem: Ja, ich glaube schon, dass man so ein Stück Leistungssport auch im Studium wiederfindet. Das kann man nie ganz abstellen. Die Amputation kam relativ plötzlich mit zwei Wochen Vorlauf, und ich hatte noch Leistungen offen, die ich abgeben musste. Die wurden dann erstmal nach hinten verschoben. Aber ich wollte das irgendwann auch weghaben und dachte, jetzt muss das mal weitergehen. Deshalb bin ich ziemlich schnell wieder eingestiegen. Ich habe auch eine Vorlesung mitgemacht, ohne jemals da zu sein, weil ich ja nicht konnte. Ich habe mir die Mitschriften besorgt, und so hat das erstaunlich gut funktioniert.

Sporthilfe: Und wie klappt jetzt die Verbindung Studium und Sport?

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Kliem: Als ich angefangen habe zu studieren, war ich noch nicht so extrem im Leistungssport. Ich habe zwar auch super viel trainiert, aber das ließ sich ganz gut verbinden, weil die Wettkämpfe am Wochenende waren und das Training am Nachmittag. Jetzt ist das mehr geworden, auch Wettkämpfen unter der Woche. Da muss man einfach mit den Dozenten reden und auch Ersatzleistungen anbieten. Die meisten sind offen, sie wollen einfach nur Leistungsnachweise haben. Ich werde auch super unterstützt vom Olympiastützpunkt, der Kontakt hatte mit der Uni und vermittelt hat, warum es wichtig ist, mir da Möglichkeiten zu schaffen. Eigentlich gab es bisher keine Probleme. Das Schwierigste ist, wenn Abgabefristen auf Turniertermine fallen, das kann stressig werden. Aber da muss man halt vorher gut planen mit eigenen Deadlines und in kleinen Schritten. Jetzt ist es aber nicht mehr so viel, ich bin in den letzten Zügen und in einem Jahr auch schon fertig.

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Sporthilfe: Wie sehr hilft Innen denn das Deutsche Bank Sport-Stipendium der Sporthilfe?

Kliem: Es ist sehr hilfreich, und ich bin sehr dankbar dafür. Ich kann es mir jetzt leisten, in diesem Semester einfach nur die Dinge zu machen, bei denen ich keine Anwesenheitspflicht habe, so kann ich mich gut auf die Paralympics vorbereiten. Das wäre sonst halt nicht machbar, weil ich dann einen Nebenjob bräuchte, damit ich das weiter finanzieren könnte. Es ist wichtig, dass man Menschen hat, die an einen glauben und dann auch investieren, nur dadurch ist Leistungssport in der Form möglich. Das gilt auch für meinen Verein, den ASC Göttingen, der mich seit langem auch super unterstützt.

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Sporthilfe: Und nun sind Sie auch im Kreis der Kandidat:innen für die Wahl „Sportstipendiat:in des Jahres“. Was bedeutet das für Sie?

Kliem: Das kam sehr überraschend und freut mich total. Ich hoffe, dass es vielleicht für andere ein Zeichen sein kann, dass nicht immer alles glatt laufen muss, sondern dass es darauf ankommt, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen. Dass Dinge dazwischenkommen im Leben und man Wege finden kann und dann trotzdem seine Ziele erreicht. Ich finde es schön, dass das auch gesehen wird.

Sporthilfe: Sie sind im Vorstand Selbsthilfe Körperbehinderte und engagieren sich für Teilhabe aller Menschen am Sport und der Gesellschaft. Was ist Ihr Hauptanliegen?

Kliem: Mir ist es extrem wichtig, weiterzugeben, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Rechte haben wie alle anderen Menschen auch. Dabei ist es egal, ob es eine körperliche Behinderung ist oder eine Lernbehinderung. Ich bin manchmal schockiert von anderen Menschen mit körperlicher Behinderung, die sich teilweise über Menschen mit Lernbehinderung stellen. Und im Studium bin ich auch schon mit anderen aneinandergeraten, weil ich Aussagen erlebt habe, die gegen Menschen mit Lernbehinderung gingen, z.B. dass die in Regelgrundschulen nichts zu suchen hätten. Das hat mich sehr getroffen und es ist mir wichtig, klarzustellen, dass da von der Wertigkeit keine Unterschiede gemacht werden. Dafür setze ich mich ein.

Zum zwölften Mal suchen Sporthilfe und Deutsche Bank die oder den „Sport-Stipendiat:in des Jahres“. Fünf Top-Athlet:innen, denen die Kombination aus Spitzensport und Studium in besonderer Weise gelingt, stehen öffentlich zur Wahl. Sportsfans können ab sofort und bis zum 25. Juli auf www.sportstipendiat.de abstimmen.