Der 5. Mai 1956 änderte alles im Leben des Bernhard Carl Trautmann, den alle nur Bert riefen. Im FA-Cup-Finale prallte der deutsche Torhüter von Manchester City fürchterlich mit Birminghams Stürmer Peter Murphy zusammen.
Ein Genickbruch machte ihn berühmt
Sein Genick brach, „wie ein Flugzeugzusammenstoß“ habe sich das angefühlt, berichtete Trautmann später. Dennoch spielte er weiter, der Bewusstlosigkeit nahe.
Er führte sein Team mit Glanzparaden zum Sieg - und wurde auf der Insel zur Legende.

An diesem Sonntag ist es 100 Jahre her, als Trautmann in der Hansestadt Bremen geboren wurde. Erleben wird er seinen Ehrentag nicht mehr. Trautmann starb am 19. Juli 2013 an einem Herzinfarkt, nachdem er zuvor bereits zwei überstanden hatte.
Trautmann erhält posthume Ehrung
Viele Jahre vor seinem Tod hatte er sich in die Nähe von Valencia zurückgezogen, „weil die Sonne den Knochen gut tut“, wie er einmal sagte. Schließlich schmerzte der Hals manchmal, da war Wärme angenehm: „Meinen Hals kann ich nicht mehr so weit drehen.“
Anlässlich seines zehnten Todestags wurde in Bremen eine Gedenktafel enthüllt. Standort ist das Haus im Stadtteil Gröpelingen, in dem Trautmann seine Kindheit und Jugend verbrachte.
Zu seinem 100. Geburtstag wurde er posthum mit einer Briefmarke geehrt. Das Postwertzeichen ist seit dem 5. Oktober im Verkauf.
„Seine“ Geschichte erzählte Trautmann nur noch ungern, weil er sie schon zu häufig zum Besten gegeben hatte. „Meine Güte, habe ich da immer gedacht: Das bleibt nun von 15 Jahren und über 600 Spielen, eine Szene“, sagte er dann.

„Ich war nicht mehr bei Bewusstsein“
Wembleystadion, 5. Mai 1956, FA-Cup-Finale, ManCity gegen Birmingham, 3:1. Eine Flanke in den Fünfmeterraum, Trautmann stürmt waghalsig aus seinem Tor und wird mit voller Wucht von Murphys Knie getroffen.
Der Keeper schwankt, taumelt, stolpert rückwärts, fasst sich an den Hals. Ein Krawattenträger im Trenchcoat muss den baumlangen Kerl aus Bremen stützen.
Jahrzehntelang strahlt die BBC diese Bilder vor jedem FA-Cup-Endspiel aus. Ob er Schmerzen spürte? „Und wie“, sagt „Traut the Kraut“, wie ihn die Presse auf der Insel taufen sollte: „Aber ich war nicht mehr bei Bewusstsein, habe die Spieler nur noch schemenhaft wahrgenommen.“
Trautmann war 545-mal für ManCity aufgelaufen, 2007 wählten ihn die Fans zum besten Spieler der City-Geschichte. Denn Bert Trautmann spielte an jenem 5. Mai 1956 weiter, Auswechslungen gab es nicht.
Trautmann kam als Kriegsgefangener nach England
Aber als die Queen ihm später gratuliert und Prinz Philip sich nach dem Befinden erkundigt, sagt er mit seiner norddeutschen Gelassenheit: „Ich habe einen steifen Hals.“
Rund 50 Jahre später steht er bei einem Staatsempfang wieder vor der Königin, doch diese erkennt ihn nicht. „I‘m the player who broke his neck“, sagt Trautmann, und Elizabeth II. antwortet: „Yes, now I know.“
So ging es ihm immer. Und doch vermisste er England. Wohin es ihn als Fallschirmjäger ins Kriegsgefangenencamp 180 in Cheshire verschlagen hatte, „von einer Zentnerlast befreit, weil ich dort nicht mehr getötet werden konnte“.
Trautmann selbst wurde 2004 „Officer of the Order of the British Empire“, ehrenhalber. Er ist zudem neben Jürgen Klinsmann der einzige Deutsche, der Englands „Fußballer des Jahres“ (1956) wurde.