Kompanys Ex-Klub droht der Super-GAU
Dieser Popstar feiert mit Kompanys Ex-Club den Aufstieg
Der FC Burnley ist der Inbegriff einer Fahrstuhlmannschaft. Auch für Bayern-Trainer Vincent Kompany ging es rauf und wieder runter. Nun droht nach einem katastrophalen Start jedoch der Super-GAU. Die sportlichen Probleme sind nicht die einzigen Sorgen.
Die Erlösung für den FC Burnley war zum Greifen nah. Im Spiel gegen Derby County lief bereits die Nachspielzeit. 1:0 führten die Clarets im heimischen Turf Moor. Da landete plötzlich ein Steilpass bei Mohammed Fuseini.
Der Angreifer der Gäste zog einen Sprint an, drang halbrechts in den Strafraum ein und versah den Ball bei seinem Abschluss mit dem rechten Fuß mit einem sagenhaften Effet, sodass er links unten erst am Pfosten und dann im Netz einschlug. Und den Burnley-Fans einen Stich ins Herz versetzte.
„Das ist schwer zu verkraften“, sagte Burnleys Trainer Nicky Hayen anschließend. „Es ist frustrierend.“ Auch im achten Versuch blieb dem Absteiger aus der Premier League der ersehnte erste Saisonsieg in der Championship verwehrt.
Burnley auf dem letzten Platz – Ex-KSC-Keeper Weiß verliert Stammplatz
Nach acht Spieltagen liegt der Klub aus der nordenglischen Grafschaft Lancashire als einzig siegloses Team der Liga auf dem letzten Platz. Das 1:1 gegen Derby vor der Länderspielpause war das vierte Unentschieden der laufenden Saison, die weiteren vier Spiele gingen teils deutlich verloren.
Mit 17 Gegentoren stellt Burnley zusammen mit Norwich City die Schießbude der Liga. Der frühere KSC-Keeper Max Weiß, der zu dieser Saison zur Nummer eins befördert wurde, musste gegen Derby seinen Platz zwischen den Pfosten räumen, nachdem er bei der 1:3-Niederlage zuvor gegen Swansea City bei zwei Gegentreffern nicht gut ausgesehen hatte.
Zusammen mit der Verbannung von Kapitän Kyle Walker auf die Bank hatte Coach Hayen damit ein Zeichen gesetzt. Doch das Warten auf den Befreiungsschlag geht weiter. Und Hayen gibt sich keinen Illusionen hin.
Trainer Hayen kam erst 29 Tage vor dem ersten Spiel
„Ich weiß, wie es im Fußball läuft, aber ich habe auch gesagt, dass es viele Gründe gibt, und man kann das berücksichtigen oder auch nicht“, sprach Hayen bei BBC Radio Lancashire sogar recht offen über seine mögliche Entlassung. „Ich weiß, dass ich dafür verantwortlich bin und wenn sie entscheiden, dass es nicht gut genug ist, dann werden wir sehen.“
Vorerst darf er weitermachen. Er sei widerstandsfähig und ein Kämpfer, sagte der Belgier noch. Erst im Sommer wurde der 46-Jährige, der mit Club Brügge belgischer Meister und Pokalsieger wurde, als neuer Trainer verpflichtet. Allerdings erst am 10. Juli und damit nur 29 Tage vor dem ersten Pflichtspiel.
Dass sich der Klub nach dem Abstieg mitten in einem personellen Umbruch befand, erleichterte den Jobbeginn mitten in der Vorbereitung auf die Knochenmühle Championship mit 46 Spieltagen nicht unbedingt.
Altstar Vardy bislang kein Faktor
Die rund 20 Millionen Euro, die Burnley für den Abgang von Mittelstürmer Zian Flemming von Ipswich Town überwiesen bekam, wurden nicht in einen neuen Angreifer investiert. Erst Anfang September unterschrieb der zuvor vereinslose 39 Jahre alte Altstar Jamie Vardy bis Saisonende. Bislang reichte es nur zu zwei torlosen Kurzeinsätzen.
Die sportliche Misere ist das eine, die Unruhe in der Führungsriege und die angespannte finanzielle Lage das andere. Beim Heimspiel gegen Bristol gab es Fangesänge gegen den Vorstandsvorsitzenden Alan Pace.
Der US-amerikanische Geschäftsmann übernahm mit seinem Unternehmen ALK Capital im Dezember 2020 den Klub, den der langjährige Coach Sean Dyche damals konstant in der Premier League halten konnte.
Burnley belasten über 165 Millionen Euro Schulden
Das Problem: Der Kauf des Klubs wurde mit Krediten finanziert. Bei dieser sogenannten Leveraged-Buyout-Konstruktion trägt am Ende der übernommene Klub selbst einen Großteil der finanziellen Last.
Und die ist insbesondere in der zweiten Liga aufgrund deutlich geringerer Einnahmen erdrückend. Mehr denn je ist der Klub daher auf Transfererlöse angewiesen, was eine Abwärtsspirale in Gang setzen kann. Der Guardian bezifferte die aktuellen Schulden auf 142 Millionen Pfund (umgerechnet über 165 Millionen Euro). Zudem soll Paces Firma ALK Capital im Zuge der Übernahme dem Verein wiederum noch 94 Millionen Euro schulden.
Bezeichnend: Zuletzt erklärte Geschäftsführer James Holroyd seinen Rücktritt. Der einst bei Adidas und Manchester United tätige Engländer sollte den Klub eigentlich in ein ruhigeres Fahrwasser führen, gab seinen Posten aber nach nur 15 Monaten wieder auf.
Der Inbegriff einer Fahrstuhlmannschaft – auch mit Kompany
Die Inkonstanz ist nahezu die einzige Konstante des FC Burnley. In den vergangenen Jahren haben sich die Clarets zum Inbegriff einer Fahrstuhlmannschaft entwickelt. Nach dem Abschied von Erfolgscoach Dyche pendelte der Klub zwischen Premier League und Championship hin und her.
Nach dem Abstieg 2022 führte Vincent Kompany Burnley mit sagenhaften 101 Punkten umgehend zurück ins Oberhaus. Doch den direkten Wiederabstieg konnte der heutige Bayern-Trainer nicht verhindern. Sein Nachfolger Scott Parker schaffte dafür den direkten Wiederaufstieg. Der Klassenerhalt in der Premier League gelang aber auch ihm nicht.
Zurück in der Championship übernahm nun Kompanys Landsmann Hayen die erneute Aufstiegs-Mission. Diesmal scheint allerdings der Jo-Jo-Effekt nicht mehr zu funktionieren.
Die Zahlen geben wenig Anlass zur Hoffnung. Noch nie stieg eine Mannschaft auf, die an den ersten acht Spieltagen in der Championship sieglos geblieben war. „Das Problem bei Jo-Jos ist, dass man sie nicht mehr zurückbekommt, wenn sich der Schwung umkehrt und die Schnur schlaff wird“, blieb die BBC treffend im Bild.
Immerhin: Von den zehn Teams, die zuletzt nach den ersten acht Spielen noch sieglos waren, schafften sieben noch den Klassenerhalt. Vor 26 Jahren spielte Burnley zuletzt drittklassig, ein Absturz in die League One wäre wohl nicht nur sportlich ein Super-GAU.