An Oliver Kahn haben die Anhänger von Girondins Bordeaux keine besonderen guten Erinnerungen. Vor knapp 29 Jahren unterlagen die Bordelais im Rückspiel des UEFA-Cup-Finals dem FC Bayern München mit 1:3. Damals befand sich Kahn in bestechender Form, auch im Hinspiel (2:0) im Münchner Olympiastadion hatte er zwei „unhaltbare“ Bälle pariert.
Kahn-Einstieg? „Her damit!“
Als man entlang der Garonne nun zum ersten Mal von der Nachricht hörte, Oliver Kahn könnte der neue Girondins-Eigentümer werden, waren die Reaktionen geteilt. Auf der einen Seite sorgt die Tatsache, dass ausgerechnet ein solch großer Name am Château du Haillan (Bordeaux-Trainingsgelände) überhaupt gehandelt wird, für großes Aufsehen sowie einen gewissen Stolz.

„Ich dachte zuerst an einen Scherz“, gibt Gaetan Huardt, der zwischen 1991 und 1996 das Girondins-Tor hütete, im Gespräch mit SPORT1 zu: „Dann habe ich mitbekommen, dass Kahn tatsächlich Interesse bekundet hat. Es ist sehr überraschend und ich frage mich schon, wie er konkret dieses Projekt finanzieren möchte und woher das ganze Geld herkommen soll“.
Kahn-Tugenden „würden Bordeaux guttun“
Und würde Kahn überhaupt zum Klub passen? „Die Mentalität in Bordeaux sollte man schon kennen, bevor man sich final entscheidet“, meint Huard, glaubt aber, dass es funktionieren könnte: „Kahn kennt man von außen als geradlinig, fokussiert und erfolgsbesessen. Diese Tugenden würden Bordeaux sicherlich guttun“.
Der Umfang eines möglichen Kahn-Engagements ist aktuell jedoch noch unklar. „Er gilt ja als seriöser Typ, aber inwieweit würde er in dieses Projekt konkret investieren? Es gibt in dieser Geschichte noch extrem viele Unbekannte“, erklärt Huard.
Dennoch: „Der Name Kahn sorgt in der Stadt schon für viele Diskussionen“, berichtet Christophe Dugarry, der damals im UEFA-Cup zusammen mit Zinedine Zidane und Bixente Lizarazu auf Kahn traf, bei SPORT1.
Kahn als neuer Boss? „Her damit!“
In den kommenden Wochen soll Bewegung in dieses Thema kommen. Jacques-Henri Eyraud - vor drei Jahren noch Präsident von Olympique Marseille - agiert dabei als Vermittler und Vertreter der Kahn-Seite.
In Frankreich heißt es, dass es Eyraud in Kahns Namen im Dezember den ersten positiven Austausch mit dem jetzigen Girondins-Besitzer Gérard Lopez hatte und weitere Meetings demnächst folgen sollen. Zudem sei Kahns Interesse unabhängig von der Liga, in der die Bordelais spielen.
Momentan führt Bordeaux die Tabelle in der 4. Liga an. „Kahn zu Girondins, das wäre zweifelsohne ein Riesen-Coup und kein Zufall, sondern eher Schicksal, weil der FC Bayern und Girondins Bordeaux über viele Jahre eine Fan-Freundschaft pflegen“, betont Alain Giresse, der von den Bordeaux-Fans zum besten Spieler der Vereinsgeschichte gewählt wurde, bei SPORT1: „Sicherlich würde er dafür sorgen, dass Bordeaux wieder im Mittelpunkt steht. Er gilt als seriös, zuvorkommend und ehrgeizig. Also, her damit!“