Robin Gosens hat die große Bühne Fußball-Nationalmannschaft abermals zu einem emotionalen Aufruf gegen Hass und für mehr Menschlichkeit genutzt. „Ich kann nur appellieren, dass wir unsere Hirse anschalten, bevor man manche Kommentare absetzt“, sagte der 22-malige Nationalspieler von der AC Florenz am Donnerstag in Frankfurt.
Gosens mit emotionalem Appell
Themen wie psychische Gesundheit oder Depression hätten „noch immer einen zu geringen Stellenwert im Profifußball und gesamtgesellschaftlich, sind mit Stigmata behaftet“, sagte Gosens und betonte: „Depressionen und psychische Erkrankungen sind sehr ernstzunehmende Erkrankungen - und keine Lappalien. Wir müssen dahinkommen, dass wir normal darüber reden - nur dann werden sich die Menschen Hilfe suchen.“
Er selbst stehe "gerne für diese Themen ein, da muss man seiner Vorbildfunktion gerecht werden. Ich verspüre die Verantwortung, darauf aufmerksam zu machen, dass es keine Schwäche ist, sondern absolut mutig, sich zu öffnen." Die Reaktion sollte nicht Hass sein, sondern "eine Umarmung. Nur wenn das in die Köpfe geht, sind wir in der Lage, den nächsten Schritt zu machen."
Unterschied zwischen Kritik und Hasskommentaren
Im Netz aber käme häufig noch einmal "Gift oben drauf", klagte Gosens, "wir alle haben mit diesen Kommentaren zu tun, die Anonymität wird leider sehr oft missbraucht und oft vergessen, dass hinter diesem Fußballer ein Mensch mit Gefühlen steckt, dem es sehr nahe geht oder daran zerbricht, wenn man ihm oder der Familie den Tod wünscht."
Dass ein Fußball-Millionär so etwas abkönnen müsse, sei für ihn „ein Totschlagargument“, meinte der 30-Jährige und forderte, dass jeder sich Gedanken mache, „bevor man so einen scheiß Kommentar absetzt, was das im anderen auslösen könnte“. Kritik sei in Ordnung und „sogar wichtig, um als Mensch und Spieler zu wachsen. Aber es geht immer um die Art und Weise, wie man was äußert“, meinte Gosens, der sich aufgrund seines Psychologiestudiums verantwortlich fühlt, für diese Themen einzustehen.
Gosens wünscht sich „eine Umarmung der Gesellschaft“
„Ich hatte das große Glück, dass ich Psychologie studieren durfte und dass ich dadurch auch die Verantwortung in mir verspüre, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass es keine Lappalien sind, sondern dass es mutig ist, wenn man sich öffnet“, erklärte der Nationalspieler.
Es sei keine Schwäche, damit nach außen an die Welt zu gehen. Und dann solle man nicht auf „Hass und Abstoßung“ treffen, sondern „auf eine Umarmung der Gesellschaft - und ein ‚Ich bin für dich da, egal was du brauchst‘“.
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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)