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“Bayern überlagert alles - auch das Privatleben"

„Bayern überlagert auch das Private“

Bayerns früherer Sportdirektor Christian Nerlinger blickt auf sein Aus nach dem „Drama dahoam“ 2012 zurück - und die persönlichen Härten seiner damaligen Aufgabe.
Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sprechen zum 125-jährigen Jubiläum des FC Bayern über das Motto "Mia san mia".
Bayerns früherer Sportdirektor Christian Nerlinger blickt auf sein Aus nach dem „Drama dahoam“ 2012 zurück - und die persönlichen Härten seiner damaligen Aufgabe.

Im Juli 2009 wurde Christian Nerlinger Sportdirektor des FC Bayern - und trat damit nach 30 Jahren das schwere Erbe des langjährigen Managers Uli Hoeneß an, als der ins Präsidentenamt wechselte.

Bei Nerlinger wurde keine lange Ära daraus: Nach dem verlorenen „Finale dahoam“ 2012 war Schluss. Im Zorn blickt der heute 52 Jahre alte Ex-Profi allerdings nicht zurück. In einem Interview mit ran verdeutlicht Nerlinger, dass das damalige Aus persönlich letztlich auch in seinem Sinne war.

Nerlinger blickt „sehr positiv“ auf Bayern-Zeit zurück

„Zwei, drei Tage nach dem Finale hatte ich ein Vier-Augen-Gespräch mit Uli Hoeneß. Wir haben uns dazu entschlossen, die Zusammenarbeit zu beenden“, erinnert sich Nerlinger.

Der heutige Spielerberater betont, dass die Trennung im Guten verlief: „Ich habe noch die Transfergeschäfte bis zum ersten Tag der Vorbereitung weitergemacht. Wir haben Mario Mandzukic und Dante verpflichtet, mit Javi Martinez so weit verhandelt, dass der FC Bayern nur noch Ja oder Nein sagen musste. Dann wurde Matthias Sammer offiziell mein Nachfolger.“

Er habe in seiner Zeit als Sportdirektor „unglaublich viel investiert und wirklich mein Bestes gegeben“, rekapituliert der frühere Mittelfeldspieler: „Ich war 2009 der Erste, der in die Fußstapfen von Uli Hoeneß getreten ist. Auch die Zeit danach hat gezeigt, dass es nicht so einfach ist, diesen Job auszuführen. Ich hatte nach dem Finale, auch noch mit etwas mehr Abstand, gute Gespräche mit Uli. Für mich hat es sich nach einem guten Ende angefühlt - völlig ohne Frust und Trauer. Es war ein Kapitel, das zu Ende ging.“

Nerlinger blickt nach eigenen Angaben „sehr positiv“ auf die Zeit in München zurück: „Ich habe mich auch sehr für die Spieler über den Champions-League-Sieg 2013 gefreut. Eine Saison zuvor wurden wir Zweiter in der Bundesliga, haben das DFB-Pokal-Finale und das Finale dahoam verloren. Diesen Kraftakt zu schaffen, aus dieser Enttäuschung heraus das Triple zu holen – das ist für mich von Jupp Heynckes die herausragendste Trainerleistung im deutschen Fußball aller Zeiten."

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„Ich wollte auch meine Familie schützen“

Nerlinger agiert seit seinem Bayern-Aus nicht mehr in der ersten Reihe der Bundesliga-Macher - eine bewusste Entscheidung, die auch darauf beruht, wie sehr er in München die Auswirkungen des Jobs aufs Private erlebt hat.

„Zum ersten Mal Vater bin ich mit 35 Jahren geworden. Während meiner Zeit als Sportdirektor sind glücklicherweise noch mal zwei fantastische Jungs dazugekommen“, sagt Nerlinger - dies sei ein Problem gewesen: „Bayern München überlagert alles, auch das Privatleben. Das war auch ein Grund, wieso ich danach nicht mehr in die Vereinsführung gegangen bin. Ich habe die Auswirkungen auf die Familie erlebt und wollte sie auch schützen. Das war einer von mehreren Punkten, wieso ich mich für die Selbstständigkeit in der Spielerberatung entschieden habe.“