„Wie Phönix aus der Asche!“ So beschrieb Olaf Thon, Weltmeister von 1990, in der SPORT1-Sendung SPOTLIGHT jüngst die vergangenen Monate von Leon Goretzka.
Goretzka: Muss Bayern reagieren?
Noch im vergangenen Sommer war Goretzka auf dem Tiefpunkt seiner Karriere angelangt: Von Bundestrainer Julian Nagelsmann bei der Heim-EM außen vor gelassen (“für mich war das eine extreme Enttäuschung“), beim FC Bayern als Verkaufskandidat abgestempelt. Inzwischen ist der 30-Jährige sowohl im Klub als auch im Nationalteam wieder eine feste Größe, wird als „Gigant Goretzka“ gefeiert - und mehr und mehr stellt sich die Frage: Hat der FC Bayern gar keine andere Wahl mehr, als mit einem neuen Vertragsangebot auf die neue Lage reagieren?

Goretzkas Vertrag: Karten neu gemischt?
Die Ausgangssituation ist bekannt: Goretzkas im zweistelligen Millionenbereich dotierter Vertrag läuft noch bis Juni 2026. Bis vor kurzem schien es, als ob er spätestens zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bei Bayern sein würde - trotz seiner starken Leistungen der vergangenen Wochen und Monate.
Die langfristigen Planungen der sportlichen Führung liefen eigentlich an Goretzka vorbei: Schon im vergangenen Sommer hatte Sportvorstand Max Eberl ihm offen erklärt, dass es für ihn „schwer“ werden würde im Konkurrenzkampf mit Neuzugang Joao Palhinha und dem aufstrebenden Aleksandar Pavlovic. Im Januar folgte ein weiterer Fingerzeig, als Bayern sich für die kommende Saison auch noch die Dienste von Top-Talent Tom Bischof aus Hoffenheim sicherte - ebenfalls ein direkter Positionskonkurrent.
Bekanntermaßen kam Goretzka durch die häufigen Ausfälle von Palhinha und Pavlovic unter Vincent Kompany viel häufiger als gedacht zum Einsatz und drängte sich zurück ins Rampenlicht. Und zumindest mit Blick auf die kommende Saison sind die Karten neu gemischt.
Goretzka? Effenberg glaubt an Palhinha-Abgang
Ein Verkauf von Palhinha wirkt im Moment um einiges wahrscheinlicher als ein Weggang Goretzkas. „Ich glaube, dass der FC Bayern sehr wohl darüber nachdenkt, Palhinha zu verkaufen“, vermutete Ex-Kapitän Stefan Effenberg im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1: Mit Blick auf das Mittelfeld müsste der FC Bayern eine freie Position schaffen, so Effenberg: „Und da wird nicht Goretzka betroffen sein im Sommer.“
An gleicher Stelle gingen auch die früheren Nationalspieler Roman Weidenfeller und Maurizio Gaudino von einem Verbleib Goretzkas aus. Gaudino ging sogar so weit zu prognostizieren: „Der FC Bayern wird auf ihn zukommen müssen und mit ihm verlängern wollen.“
Ob es tatsächlich so weit kommt, ist noch nicht abzusehen. Klubboss Jan-Christian Dreesen reagierte zuletzt in jedem Fall eher reserviert nach Fragen in diese Richtung.
Bayern-Boss Dreesen legt sich nicht fest
„Das obliegt zunächst einmal Max Eberl und Christoph Freund, die die Gespräche führe“, erwiderte Dreesen in einem Interview mit t-online auf Fragen nach Goretzkas Zukunft: „Leon hat noch einen Vertrag bis 2026. In den letzten Wochen und Monaten waren zuvorderst andere Themen zu klären. Das haben Christoph und Max hervorragend gemacht.“
Auf Nachfrage, ob es bei Bayern in Bezug auf Goretzka ein ähnliches „Umdenken“ geben könnte wie bei DFB-Coach Nagelsmann, ergänzte Dreesen: „Na ja, er spielt ja bei uns fast jedes Spiel. Vincent setzt ihn ein, und er macht seine Sache sehr gut. Alles andere wird man sehen.“
Man sieht: Der Rekordmeister freut sich über Goretzkas Hoch, will sich für die Zukunft aber nicht voreilig festlegen - in die eine oder andere Richtung. Noch ist ungewiss, ob es tatsächlich zur ultimativen Wende kommt.
Viele Variablen in der Rechnung
Mit Blick auf die kommende Saison spricht jedoch wenig für einen Sommer-Abgang Goretzkas: Er selbst wird ihn kaum forcieren und ob die Bosse es beim aktuellen Standing des Spielers nochmal tun - eher fraglich.
Ein Fingerzeig waren jüngst auch die Äußerungen von Aufsichtsrat und Ex-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, in denen Ex-Coach Thomas Tuchel als die treibende Kraft hinter dem Liebesentzug für Goretzka dargestellt wurde - und Goretzka selbst für sein Zurückkämpfen über den grünen Klee gelobt wurde.
Spätestens mit Blick auf 2026 ist dennoch schwer abzuschätzen, wie es mit Goretzka und Bayern weitergeht, zu groß und zahlreich sind die Variablen der Rechnung: Geht das Formhoch Goretzkas weiter? Wie gut erholt sich Pavlovic von seinem Pfeifferschen Drüsenfieber? Wie schnell etabliert sich Bischof? Kämpft sich Palhinha doch nochmal zurück? Wie sehen Goretzkas Gehaltsvorstellungen ab 2026 aus? Und wie Bayerns weitere Kader- und Gehaltskostenplanung ab dann?
Die kommenden 12 Monate werden spannend ...