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Bayer Leverkusen: Ein Juwel mit Star-Potenzial

Eine beeindruckende Bewerbung

Erst mit Köpfchen, dann mit brachialer Gewalt: Nathan Tella erlebt beim Leverkusener Arbeitssieg in Darmstadt seinen großen Tag - und bewirbt sich nachhaltig für weitere Aufgaben.
Leverkusen-Neuzugang Nathan Tella schwärmt von Bayer Leverkusen und Trainer Xabi Alonso.
Erst mit Köpfchen, dann mit brachialer Gewalt: Nathan Tella erlebt beim Leverkusener Arbeitssieg in Darmstadt seinen großen Tag - und bewirbt sich nachhaltig für weitere Aufgaben.

Die gute Laune wollte Nathan Tella auch eine Viertelstunde nach dem Abpfiff nicht aus dem Gesicht weichen. „Ich bin so froh, Teil dieser Mannschaft zu sein“, schwärmte der 24-Jährige mit leuchtenden Augen über das Team von Bayer Leverkusen, das ein lange Zeit schwieriges Spiel in Darmstadt (2:0) doch souverän gewann. Auslöser für die positiven Emotionen war aber natürlich seine persönliche Leistung. Schließlich hätte Tellas Nachmittag kaum besser laufen können.

Im Schnelldurchlauf: Bereits im ersten Durchgang brachte Tella die Werkself gegen bissige Hausherren auf die Siegerstraße. Da köpfte der Außenspieler eine präzise Flanke von Alejandro Grimaldo ins Netz. Kurz nach der Pause zeigte der nigerianische Nationalspieler, dass er es auch mit dem Fuß kann. In halbrechter Position nahm Tella einen Pass von Florian Wirtz entgegen und donnerte den Ball wuchtig wie platziert ins kurze Eck. Zwei Chancen, zwei Tore, gefeierter Matchwinner - mehr geht nicht. Noch dazu war es sein erster Startelf-Einsatz in der Bundesliga.

Erstaunlich lange hatte der im Sommer für rund 20 Millionen Euro vom FC Southampton gekommene Angreifer darauf warten müssen, spielte oftmals nur eine Nebenrolle. Auf der rechten Schiene wirkte Platzhirsch Jeremie Frimpong im Grunde unantastbar. Doch Trainer Xabi Alonso rotierte vor den beiden wichtigen Spielen gegen den VfB Stuttgart sowie den FC Bayern München und gab Tella die Bühne, die er sofort perfekt zu nutzen wusste.

Tella „arbeitet im Training brutal hart“

Eine besondere Vorahnung hatte Tella schon beim 1:0. „Ich habe Jeremie unter der Woche gesagt, dass wir beide zwar oft am zweiten Pfosten sind, aber nie Kopfballtore erzielen – und heute hat es bei mir tatsächlich geklappt. Darüber haben wir in der Kabine ein paar Witze gemacht“, sagte der nur 1,73 Meter große Flügelspieler nach der Partie und bewies einmal mehr: Hat er in der Rückwärtsbewegung noch Luft nach oben, löst er seine Aufgaben in der Offensive umso besser.

Dort bringt Tella sogar Fähigkeiten mit, die der eigentlich gesetzte Frimpong hin und wieder vermissen lässt. Zuallererst nämlich: Eine konsequente Chancenverwertung und den Willen, jederzeit den direkten Weg zum Tor zu suchen. Was das angeht, dürfte sich auch Tellas zweiter Treffer vom Samstag besonders tief ins Gedächtnis brennen - ein Schuss wie ein Strich, aus vollem Lauf, direkt ins Herz der Darmstädter. Brachiale 110 km/h soll die Geschwindigkeit des Balls betragen haben, wie der Mann des Tages hinterher selbst verriet.

Wirkt der in England geborene Tella auf den ersten Blick wie ein typischer Tempodribbler, scheint seine wahre Stärke im Abschluss zu liegen. Vier Saisontore hat der 24-Jährige schon bejubelt, obwohl er in der Bundesliga bislang nur als Joker zum Einsatz kam und gerade einmal 242 Spielminuten aufweist. Letzte Saison netzte er als Leihspieler des FC Burnley gar 17 Mal in der Championship ein.

„Nathan hatte es nicht einfach“

Seine längere Eingewöhnungszeit wundert derweil nicht. „Nathan hatte es nicht einfach. Ich weiß genau, wie es ist, wenn man in ein fremdes Land geht und die Sprache nicht spricht“, beschrieb Granit Xhaka die anfängliche Situation seines Teamkollegen. „Wir versuchen es ihm so einfach wie möglich zu machen. Er arbeitet im Training brutal hart und sich dafür heute belohnt.“

Und zwar gleich doppelt. Auch Alonso stellte dem schnellen Rechtsfuß ein Sonderlob aus und erklärte: „Es ist normal, dass er Zeit braucht, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen. Aber er hatte immer eine sehr gute Einstellung und gute Energie. Wir brauchen ihn unbedingt.“ Zumal Arthur wegen einer Muskel-Sehnenverletzung noch ausfällt. So ist Tella aktuell die einzige echte Alternative zum Stammpersonal - sowohl auf der rechten als auch auf der linken Außenbahn. In der Bundesliga dürfte er fortan öfter zum Zug kommen.

Denn Leverkusen ist bekanntlich noch in allen drei Wettbewerben vertreten. Im Laufe der Rückrunde wird Alonso gerade seinen Vielspielern immer wieder die nötigen Pausen gönnen. Falls frische Kräfte benötigt werden, steht Tella aufgrund seiner jüngsten Leistungen nun dick im Notizbuch seines Trainers und sollte einer der ersten Gefragten sein. Dass sein Formhoch aus einer herben persönlichen Enttäuschung entstanden ist, scheint da mittlerweile deutlich zu verkraften sein.

Wie Amine Adli, Odilon Kossounou und Edmond Tapsoba galt auch Tella als ein heißer Kandidat für den Afrika-Cup. Nigerias Nationaltrainer José Peseiro verzichtete aber auf den teuersten Leverkusener Sommerneuzugang. Doch Tella ließ den Kopf nicht hängen, nutzte stattdessen die Gunst der Stunde im Verein. Eine gelungene Bewerbung für weitere Startelfeinsätze ist jetzt geschrieben - und sein Standing massiv verbessert.