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Sepp Maier würdigt seinen Weggefährten Paul Breitner

„Paul war ein Dickkopf“

Paul Breitner feiert seinen 75. Geburtstag. Im Gespräch mit SPORT1 blickt Sepp Maier auf die gemeinsame Zeit mit seinem früheren Weggefährten zurück und erklärt, was ihre langjährige Freundschaft bis heute so besonders macht.
Zum 125-jährigen Vereinsjubiläum des FC Bayern sitzen die Granden Franz "Bulle" Roth, Sepp Maier und Paul Breitner an einem Tisch. Roth packt eine Anekdote von der ersten Begegnung mit Maier aus.
Paul Breitner feiert seinen 75. Geburtstag. Im Gespräch mit SPORT1 blickt Sepp Maier auf die gemeinsame Zeit mit seinem früheren Weggefährten zurück und erklärt, was ihre langjährige Freundschaft bis heute so besonders macht.

Bayerns Torwartlegende Sepp Maier und Bayern-Ikone Paul Breitner kennen sich seit mehr als einem halben Jahrhundert. Gemeinsam wurden sie Weltmeister, gewannen mit Bayern München Titel um Titel und gerieten natürlich auch schon einmal ordentlich aneinander.

Zum 75. Geburtstag von Breitner spricht Maier bei SPORT1 über einen außergewöhnlichen Weggefährten – und eine Freundschaft, die gerade deshalb funktioniert, weil beide ihren eigenen Kopf haben.

„Mit dem Paul konnte man herrlich streiten“

SPORT1: Herr Maier, Paul Breitner wird 75. Was ist Ihr erster Gedanke?

Sepp Maier: Ein Dickkopf. (lacht) Aber ein verdammt guter. Der Paul wusste schon immer ganz genau, was er wollte. Und wenn er etwas im Kopf hatte, dann hat er das auch durchgezogen. Das war schon so, als wir jung waren.

SPORT1: Und Sie waren auch nicht gerade dafür bekannt, jedem Streit aus dem Weg zu gehen …

Maier: Nein. (lacht) Mit dem Paul konnte man sich herrlich streiten. Der hat nicht nachgegeben, ich auch nicht. Da sind schon mal die Fetzen geflogen. Aber fünf Minuten später konnten wir wieder zusammensitzen und über etwas ganz anderes lachen.

SPORT1: Wie war das zwischen Ihnen beiden auf dem Spielfeld? Breitner war ja eher der konzentrierte, ehrgeizige Typ, während Sie für Ihre Späße bekannt waren.

Maier: Der Paul war schon ein anderer Typ als ich. Der war unglaublich ehrgeizig und wollte immer gewinnen. Aber er konnte auch lachen und hat meine Späße meistens mitgemacht. Wir haben uns gegenseitig aufgezogen. Manchmal hat er mich für verrückt erklärt, und ich habe ihm gesagt: „Paul, jetzt bleib mal locker.“ (lacht) Wir waren ziemlich verschieden, aber genau das hat zwischen uns gut funktioniert. Wir konnten uns herrlich streiten, aber genauso gut miteinander lachen.

SPORT1: Was musste man bei Breitner aushalten können?

Maier: Dass er immer eine Meinung hatte. Und zwar nicht nur irgendeine – er war überzeugt von seiner Meinung. Aber genau das war auch seine Stärke. Du wusstest bei ihm immer, woran du bist.

Paul Breitner und sein Ehrgeiz

SPORT1: Was hat Sie an ihm als Fußballer am meisten beeindruckt?

Maier: Sein Wille. Der Paul wollte immer gewinnen. Im Training genauso wie im Spiel. Wenn es irgendwo etwas zu gewinnen gab, wollte er gewinnen. Selbst bei einer kleinen Wette im Training. Und wenn er verloren hat, hat er sich geärgert. Das war der Paul.

SPORT1: War dieser Ehrgeiz manchmal auch nervig?

Maier: Natürlich. Wenn du jeden Tag mit so einem zusammen bist, gibt es schon Situationen, wo du denkst: Jetzt reicht’s aber langsam. (lacht) Aber wenn du dann auf dem Platz standest, warst du froh, so einen neben dir zu haben.

SPORT1: Warum?

Maier: Weil du wusstest: Der lässt dich nicht hängen. Und wenn es eng wird, geht er voran. Der Paul musste keine Kapitänsbinde tragen, damit man merkt, dass er ein Anführer ist.

SPORT1: 1974 im WM-Finale gegen die Niederlande: 1:1, Elfmeter für Deutschland. Breitner nimmt den Ball. Was denken Sie als Torwart?

Maier: Dass er ihn reinmacht. (lacht) Was denn sonst?

SPORT1: Keine Nervosität?

Maier: Nicht bei Paul. Der hatte dieses unglaubliche Selbstvertrauen. Der Ball lag da, er hat ihn genommen – und fertig. Da wurde nicht lange diskutiert.

SPORT1: Sie haben gemeinsam den größten Titel gewonnen, den es gibt. Was verbindet Sie bis heute mit dieser Mannschaft?

Maier: Natürlich die großen Spiele. Aber wenn man ehrlich ist, sind es oft die kleinen Sachen, an die man sich am liebsten erinnert. Training, Kabine, Busfahrten, Reisen, irgendein Blödsinn, den man zusammen gemacht hat. Das bleibt hängen.

SPORT1: Breitner war damals auch optisch eine Provokation: lange Haare, Bart. Dazu seine politischen Ansichten.

Maier: Er war halt der Paul. (lacht) Der hat gemacht, was er für richtig hielt. Und ich habe gemacht, was ich für richtig hielt. Wir mussten ja nicht bei allem einer Meinung sein. Aber wir haben uns respektiert.

SPORT1: Haben Sie ihm auch mal gesagt: Paul, jetzt übertreibst du?

Maier: Natürlich. Und er hat mir genauso gesagt, wenn er fand, dass ich übertreibe. Das konnte der Paul ab. Der wollte keine Leute um sich haben, die immer nur Ja sagen.

SPORT1: Ist das vielleicht der Grund, warum er bis heute polarisiert?

Maier: Ja. Der Paul hat sich nie verbogen. Wenn ihm etwas nicht gepasst hat, hat er es gesagt. Heute würde man vielleicht sagen: „Das ist unbequem.“ Aber ich finde, wir brauchen solche Menschen. Sonst sagen irgendwann alle das Gleiche.

„Der Mann war ein außergewöhnlicher Fußballer“

SPORT1: Was wird bei Paul Breitner oft vergessen?

Maier: Dass er ein Weltklassefußballer war. Wenn man heute über ihn spricht, geht es oft um die Haare, den Bart, die Sprüche oder seine politischen Ansichten. Dabei war der Mann ein außergewöhnlicher Fußballer.

SPORT1: Was konnte er besonders gut?

Maier: Er hat das Spiel verstanden. Und er hatte diesen linken Fuß. Wenn der Paul richtig draufgehauen hat, wollte ich als Torwart nicht unbedingt im Weg stehen. (lacht) Aber er konnte eben nicht nur schießen. Er wusste, wann er nach vorne gehen musste und wann er hinten gebraucht wurde.

SPORT1: Wann haben Sie gemerkt: Der wird einmal ein ganz Großer?

Maier: Das ging ziemlich schnell. Der hatte dieses Selbstbewusstsein, diese Technik und diesen Willen. Du hast einfach gemerkt: Der macht seinen Weg. Und dass dieser Weg nicht immer geradlinig sein würde, war bei ihm eigentlich auch klar.

SPORT1: Gab es zwischen Ihnen beiden eigentlich einen Streit, an den Sie sich besonders erinnern?

Maier: Da gab es einige. (lacht) Aber ich möchte gar nicht einen einzelnen herauspicken. Das Entscheidende ist doch: Wir konnten uns streiten, ohne dass die Freundschaft darunter gelitten hat. Das ist bei Menschen, die sich so lange kennen, viel wert.

SPORT1: Heute wird Paul 75. Ist er ruhiger geworden?

Maier: Ein bisschen. (lacht) Aber wenn ihm etwas nicht passt, dann sagt er es immer noch. Und ehrlich gesagt: Ich hoffe, dass das so bleibt.

SPORT1: Was schätzen Sie heute am meisten an Ihrem alten Weggefährten?

Maier: Dass er sich treu geblieben ist. Und dass er loyal ist. Wenn der Paul dein Freund ist, dann ist er dein Freund. Darauf kannst du dich verlassen.

SPORT1: Was wünschen Sie ihm zum 75. Geburtstag?

Maier: Gesundheit. Das ist das Wichtigste. Und dass er seinen Dickkopf behält. Der gehört zu ihm.

SPORT1: Und wenn Sie ihm heute noch einmal einen Ball auflegen könnten?

Maier: Dann würde ich sagen: „Paul, hau ihn rein!“ (lacht) Das hat ja meistens ganz gut funktioniert.

SPORT1: Und wenn Sie ihm statt eines Balls nur einen Satz mitgeben dürften?

Maier: Dann würde ich sagen: „Paul, schön, dass es dich gibt.“ Nach so vielen gemeinsamen Jahren darf man das auch mal sagen.

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