Wenn der FC Schalke 04 am heutigen Montag in die kurze Vorbereitungswoche auf das schwere Auswärtsspiel am Freitag beim SC Paderborn (18.30 Uhr) startet, wird ein Mann fehlen: Timo Baumgartl.
Spannende Enthüllungen zu Schalke

Der 27 Jahre alte Abwehrspieler wurde nach seinem TV-Interview am Samstagabend nach der 1:3-Pleite beim FC St. Pauli, in dem er harte Kritik an der Taktik von Trainer Thomas Reis übte, für eine Woche in die U23 strafversetzt und mit einer in der Höhe nicht genannten Geldstrafe belegt. „Das ist die Philosophie des Trainers, er gibt uns das vor“, hatte Baumgartl gesagt. „Deshalb machen wir das auch als Mannschaft!“
Reis soll über die deutlichen Worte seines Führungsspielers verwundert gewesen sein. Schließlich soll es nach der 0:2-Niederlage gegen Kiel vor vier Wochen und demnach vor dem Spiel gegen Wiesbaden (1:1) zu einem Krisentreffen zwischen Team und Trainer gekommen sein.
Schalke-Plan geht nach hinten los
In dem Gespräch wurde vor allem auch über die taktische Ausrichtung der Mannschaft gesprochen. Man soll sich gemeinsam darauf geeinigt haben, etwas defensiver spielen und den Gegner weiter hinten angreifen zu wollen.
Dieser Plan ging nach hinten los! Schon bei der 4:3-Aufholjagd gegen Magdeburg – Schalke lag zwischenzeitlich 0:2 zurück – wirkten die Knappen defensiv überfordert. Gegen St. Pauli waren die Schalker in der mannorientierten Verteidigung erneut anfällig.
„Klar ist, wenn man die ersten 30 Minuten sieht, dass es brutal schwer ist, wenn es der Gegner gut macht“, schimpfte Baumgartl. „Hinten immer wieder Eins gegen Eins zu stehen, ist dann eben risikobehaftet.“
Was einige Spieler nach SPORT1-Informationen zudem wundert: Reis soll in den vergangenen Wochen immer wieder Medienberichte in die Kabine getragen, statt von der Mannschaft ferngehalten zu haben.
Unter anderem ein SPORT1-Bericht vom 28. August („Jetzt geht es auch um Reis‘ Zukunft!“), der von unzufriedenen Spielern handelte, die sich inhaltsvollere Analysen im taktischen Bereich wünschen, soll in einer Teambesprechung Thema gewesen sein.
Risse zwischen Trainer und Team
Hinter vorgehaltener Hand fragen sich einige Spieler: Sollte ein Trainer mediale Themen nicht eigentlich von der Mannschaft fernhalten, damit diese sich voll auf die Trainingswoche und das Match am Wochenende konzentrieren kann?
Das Auseinandersetzen mit der öffentlichen Meinung an seiner Person zeigt: Die Kritik geht, verständlicherweise, nicht spurlos an Reis vorbei. Der frühere Erfolgscoach des VfL Bochum, der trotz des Schalke-Abstiegs mit viel Euphorie in die neue Saison gegangen war, lag zuletzt mit einigen Entscheidungen falsch.
Der 49-Jährige hat immer noch kein Gerüst gefunden, die Mannschaft entwickelt im Spiel mit dem Ball zudem wenig Ideen, konzentriert sich außerdem zu sehr auf defensive Attribute. Darüber hinaus sind die vielen Verletzten und damit auch die Trainingssteuerung ein nicht ganz unerhebliches Thema in der Kabine.
Klar ist aber auch: Die Mannschaft muss sich auch an die eigene Nase fassen, anstatt mit dem Finger auf den Coach zu zeigen. Sie kann die Vorgaben des Trainers ganz sicher mit mehr Leben füllen.
Reis genießt weiter Rückendeckung
Die Risse zwischen Mannschaft und Trainer sind, so viel ist an diesem Wochenende jedenfalls deutlich geworden, nicht mehr von der Hand zu weisen. Vereinzelt gibt es allerdings auch noch Profis, die zu ihrem Coach stehen – unter anderem Sebastian Polter und Kenan Karaman sind pro Reis. Die Anzahl derer, die den Übungsleiter kritisch sehen, nimmt allerdings zu.
Immerhin: Noch hat Reis, der sich kämpferisch gibt und an die Wende glaubt, die Rückendeckung der sportlichen Leitung um André Hechelmann. Der 39 Jahre alte Sportdirektor sagte nach dem 1:3 auf St. Pauli: „Meine Aussage vom Magdeburg-Spiel steht, die steht auch nach der Niederlage am Millerntor.“ Vor einer Woche hatte der junge S04-Boss dem zehn Jahre älteren Trainer noch „volles Vertrauen“ ausgesprochen.
Reis ist allerdings lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass Hechelmanns Worte schon am Freitagabend bei einer Klatsche gegen Paderborn überholt sein könnten. Ein ähnlich biederes und konfuses Auftreten wie gegen die Kiezkicker darf sich seine Mannschaft nicht erlauben.
In der Woche drauf kommt es dann zum Heim-Kracher gegen die ebenfalls kriselnden Herthaner (8. Oktober). Reis muss jetzt punkten. Sonst könnte seine Zeit auf Schalke in nur wenigen Tagen vorbei sein.