Fairness zählt zu den elementaren Grundsätzen eines jeden Wettbewerbs. Genauso wie im herkömmlichen Sport sollte dieser Gedanke auch in einem virtuellen Wettstreit verankert sein, um allen Parteien die selbe Chance zu gewährleisten. Der FIFA-eSport hadert allerdings seit Jahren auf mehreren Ebenen mit dieser Problematik.
FIFA 22: Das größte Problem der VBL
Im aktuellen Ableger der Sportsimulation ist eine umfängliche Gleichheit ebenfalls nur bedingt gegeben. Sei es die Pay-to-Win-Debatte in Ultimate Team oder die Tatsache, dass Spieler Schlupflöcher oder Glitches nutzen, die ihre Position gegenüber anderen verbessern soll, völlig gerecht geht es selten zu. Besonders im Zuge von Turnieren kommen diese Missstände regelmäßig zum Vorschein. Selbst die deutsche Meisterschaft sah sich bereits mit kritischen Stimmen konfrontiert.
Der 90er-Modus im Detail
Auf den ersten Blick scheint die Virtual Bundesliga ein passendes Format gefunden zu haben. Sowohl in den VBL Open als auch in der Club Championship treten die Profis im sogenannten 90er-Modus gegeneinander an. Hier sind alle verfügbaren Mannschaften genormt, d.h. ganz egal, ob FC Bayern oder Hansa Rostock, jeder Akteur im Kader weist die gleiche Gesamtstärke auf.
Selbst die Ingame-Werte sowie Skill- und Weak-Foot-Sterne sind entsprechend verteilt. Zweitliga-Stürmer Simon Terodde schießt in diesem Fall genauso platziert wie Superstar Robert Lewandowski. Einzig die Fähigkeiten am Controller sollen über Sieg und Niederlage entscheiden. Doch es existieren weiterhin kleine, aber feine Unterschiede.
Entscheidende Differenzen
Auf höchstem Level können schon Nuancen den Ausgang einer Partie verändern. Dementsprechend versucht sich jeder eSportler in die bestmögliche Ausgangslage zu bringen. Der Faktor „Team“ spielt daher eine immense Rolle. In FUT können sie ihre erste Elf im Rahmen der von EA Sports vorgeschriebenen Restriktionen nach eigenem Belieben aufbauen. In der Virtual Bundesliga ist das nicht möglich, da die Pros zwingend mit der FIFA-Version ihres Vereins antreten müssen. Trotz der angepassten Ratings und Werte sind letztlich nicht alle gleich stark.
Zum einen variieren die körperlichen Attribute. Größe, Körperstatur und Laufstil, in Kombination als Player Model bezeichnet, werden nicht angerührt. So kann ein Klub mit überdurchschnittlich vielen hochgewachsenen Verteidigern einen Vorteil in der Defensive haben. Eine Mannschaft mit z.B. ausschließlich kleinen Torhütern hat dagegen im direkten Vergleich mit der Konkurrenz häufig das Nachsehen.
Der Schwachpunkt der VBL
Das größte Problem stellt allerdings die Zusammenstellung der Kader dar. Besonders in der Offensive werden schnelle Spieler benötigt, um zu gewinnen. Flügelspieler weisen in FIFA 22 den höchsten Tempo-Wert auf und gelten daher als äußerst begehrt. Fehlen solche Optionen für die Startelf, wird es schwerer, die gegnerische Abwehrreihe zu knacken.
Schon in der Vergangenheit sorgten ähnliche Team-Unterschiede für Unmut bei den Zockern. So waren in früheren Teilen die Skill- sowie Weak-Foot-Sterne nicht angeglichen. In FIFA 20 bedeutete das beispielsweise, dass der VfL Wolfsburg mit Joao Victor einen echten Gamechanger in vorderster Linie hatte, der aufgrund seiner Beidfüßigkeit - fünf Sterne auf dem schwachen Fuß - exakt der damaligen Meta entsprach.
Auch wenn diese Ungleichheit mittlerweile behoben ist, kann von Fairness noch keine Rede sein. Das Problem wurde nicht gelöst, es hat sich lediglich verlagert. Ob die Verantwortlichen die Spieler der teilnehmenden Klubs weiter anpassen, wird sich zeigen.
Im Sinne des Sports sei es zu wünschen.